Hat Social Media wirklich etwas mit Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung zu tun? Für uns ist die Antwort ziemlich eindeutig: ja.
Der Anlass für diese Frage war die jüngste Sitzung des Dienstleisterausschusses der IHK Karlsruhe, an der unsere Geschäftsführerin Anja Polzer teilgenommen hat. Neben spannenden Einblicken in die Messe Karlsruhe, aktuellen Themen aus der Dienstleistungsbranche und vielen guten Gesprächen blieb vor allem ein Impuls hängen: Sinngemäß fiel die Aussage, dass Social Media mit Mitarbeitergewinnung, Mitarbeiterbindung und Employer Branding wenig zu tun habe.
Eine These, der wir aus unserer täglichen Arbeit mit Unternehmen deutlich widersprechen. Denn Social Media kann gerade heute ein wichtiger Bestandteil davon sein, wie Unternehmen als Arbeitgeber wahrgenommen werden, wie potenzielle Bewerber auf sie aufmerksam werden und wie bestehende Mitarbeiter sichtbar in die Unternehmenskommunikation eingebunden werden.
Employer Branding beginnt nicht bei der Stellenanzeige
Viele Unternehmen beschäftigen sich erst dann intensiv mit Recruiting, wenn eine Stelle dringend besetzt werden muss. Dann wird eine Stellenanzeige erstellt, auf der Karrierewebsite veröffentlicht und möglicherweise zusätzlich über Social Ads beworben.
Doch modernes Employer Branding beginnt deutlich früher. Potenzielle Bewerber informieren sich längst vor einer konkreten Bewerbung darüber, wie ein Unternehmen arbeitet, welche Menschen dort beschäftigt sind und welche Unternehmenskultur gelebt wird. Genau hier spielt Social Media eine wichtige Rolle.
Über Instagram, LinkedIn, TikTok, Facebook oder andere Plattformen können Unternehmen kontinuierlich zeigen, wer bei ihnen arbeitet, wie der Arbeitsalltag aussieht, welche Werte tatsächlich gelebt werden, wie Kollegen miteinander umgehen, welche Entwicklungsmöglichkeiten es gibt und was das Unternehmen als Arbeitgeber besonders macht. So entsteht über Wochen, Monate und Jahre hinweg ein Bild des Unternehmens – lange bevor jemand auf den Button „Jetzt bewerben“ klickt.
Mitarbeiter sichtbar machen und aktiv einbeziehen
Unternehmen bestehen nicht nur aus Logos, Produkten oder Dienstleistungen, sondern vor allem aus Menschen. Wer Mitarbeiter regelmäßig in der Social-Media-Kommunikation sichtbar macht, zeigt nicht nur potenziellen Bewerbern, wer hinter einem Unternehmen steckt, sondern schafft gleichzeitig auch intern Aufmerksamkeit und Wertschätzung.
Das kann ein Mitarbeiterporträt sein, ein Blick hinter die Kulissen, ein Projektbericht, ein kurzes Reel aus dem Arbeitsalltag oder auch einfach ein gemeinsames Teamfoto. Entscheidend ist dabei weniger die perfekte Produktion als die Authentizität. Menschen möchten Menschen sehen.
Gerade für Dienstleistungsunternehmen ist das besonders relevant, denn Kompetenz, Persönlichkeit und persönlicher Kontakt sind häufig ein wesentlicher Bestandteil der eigentlichen Leistung.
Social Media muss außerdem keine reine Aufgabe der Marketingabteilung sein. Ganz im Gegenteil: Besonders authentischer Content entsteht häufig dann, wenn Mitarbeiter selbst Teil der Kommunikation werden. Sie können bei Videos mitwirken, Einblicke aus ihrem Arbeitsbereich geben, Fragen beantworten oder zeigen, was ihre tägliche Arbeit ausmacht.
Dabei geht es selbstverständlich nicht darum, Mitarbeiter zu Social-Media-Stars zu machen oder jemanden vor die Kamera zu zwingen. Die Einbindung sollte freiwillig sein und zur jeweiligen Person passen. Richtig umgesetzt kann daraus jedoch deutlich mehr entstehen als nur neuer Content: Beteiligung schafft Identifikation. Wer seine eigene Arbeit, sein Team oder ein erfolgreiches Projekt in der Unternehmenskommunikation wiederfindet, erlebt das Unternehmen häufig noch einmal aus einer anderen Perspektive.
Wertschätzung und Stolz sichtbar machen
Ein Effekt, den wir in unserer täglichen Arbeit immer wieder beobachten: Mitarbeiter teilen Beiträge ihres Arbeitgebers weiter, Kollegen kommentieren, Freunde und Familienmitglieder reagieren auf Inhalte. Und plötzlich entsteht aus einem vermeintlich einfachen Social-Media-Post ein Moment echter Wertschätzung.
„Schau mal, da bin ich.“ Dieser Satz klingt zunächst banal. Für die Mitarbeiterbindung kann genau diese Form von Sichtbarkeit aber durchaus Bedeutung haben. Denn Employer Branding richtet sich nicht ausschließlich nach außen. Eine Arbeitgebermarke entsteht immer auch nach innen.
Social Media kann ein Werkzeug sein, um Leistungen, Menschen und Erfolge sichtbar zu machen und damit Anerkennung zu transportieren.
Bewerber erreichen, bevor sie aktiv auf Jobsuche sind
Einer der größten Unterschiede zwischen klassischen Stellenportalen und Social Media liegt im Zeitpunkt des Kontakts. Auf einem Jobportal erreicht ein Unternehmen in erster Linie Menschen, die bereits aktiv nach einer neuen Stelle suchen. Auf Social Media können Unternehmen dagegen auch Personen erreichen, die aktuell vielleicht gar keinen Jobwechsel planen.
Jemand sieht beispielsweise immer wieder interessante Projekte, sympathische Mitarbeiter, Einblicke ins Unternehmen, Weiterbildungsmöglichkeiten, Azubi-Content, Veranstaltungen oder authentische Aussagen aus dem Team. Vielleicht folgt diese Person dem Unternehmen zunächst nur. Einige Monate später verändert sich ihre berufliche Situation – und plötzlich ist genau dieses Unternehmen bereits bekannt.
Das ist einer der großen Vorteile eines kontinuierlichen Employer Brandings: Recruiting beginnt nicht erst dann, wenn eine Stelle frei wird.
Social Media ersetzt keine gute Unternehmenskultur
Bei aller Begeisterung für Social Media ist eines wichtig: Social Media kann keine schlechte Führung reparieren. Es ersetzt keine faire Bezahlung, keine guten Arbeitsbedingungen, keine Entwicklungsmöglichkeiten und keine funktionierende Unternehmenskultur. Und aus einem Unternehmen, in dem Mitarbeiter unzufrieden sind, wird durch ein paar schöne Instagram Reels kein attraktiver Arbeitgeber.
Was Social Media aber sehr wohl kann, ist eine bereits vorhandene Unternehmenskultur sichtbar zu machen und zu verstärken. Genau darin liegt aus unserer Sicht der entscheidende Unterschied. Employer Branding bedeutet nicht, ein Unternehmen nach außen besser darzustellen, als es tatsächlich ist. Gutes Employer Branding bedeutet, authentisch zu zeigen, warum Menschen gerne dort arbeiten.
Besonders relevant für die Dienstleistungsbranche
Gerade im Dienstleistungsbereich überrascht es uns deshalb, wenn Social Media weiterhin teilweise als reines Marketing-Zusatztool betrachtet wird. Denn bei Dienstleistungen spielen Menschen häufig eine besonders große Rolle.
Kunden kaufen nicht nur eine Leistung. Sie kaufen Vertrauen, Beratung, Kompetenz, Erfahrung und persönlichen Kontakt. Und auch Bewerber entscheiden sich nicht ausschließlich aufgrund eines Gehalts oder einer Stellenbeschreibung für ein Unternehmen. Sie möchten wissen: Mit wem werde ich zusammenarbeiten? Wie sieht mein zukünftiger Arbeitsplatz aus? Wie gehen die Menschen dort miteinander um? Passe ich in dieses Team?
Genau diese Fragen lassen sich über Social Media deutlich besser beantworten als über eine klassische Stellenanzeige allein.
Spannende Impulse beim Dienstleisterausschuss der IHK Karlsruhe
Neben dieser Diskussion bot die Ausschusssitzung auch spannende Einblicke in die Arbeit und Dimension der Messe Karlsruhe. Unter anderem wurden beeindruckende Zahlen vorgestellt: 45 Messen, 45 Kongresse, 120 Kulturveranstaltungen, mehr als 680.000 Besucherinnen und Besucher sowie rund 7.100 Aussteller.
Zahlen, die zeigen, welche wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung Veranstaltungen für die gesamte Region haben. Und genau deshalb sind solche Ausschusssitzungen wertvoll. Nicht jeder Impuls muss die eigene Meinung bestätigen. Manchmal entsteht die spannendste Diskussion gerade dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen.
Unser Fazit: Social Media gehört heute zum Employer Branding
Social Media allein löst den Fachkräftemangel nicht und ersetzt auch keine professionelle Recruitingstrategie. Aber Unternehmen, die Social Media konsequent nutzen, können ihre Arbeitgebermarke sichtbar machen, Mitarbeiter einbeziehen, potenzielle Bewerber frühzeitig erreichen und einen authentischen Eindruck ihrer Unternehmenskultur vermitteln.
Damit wird Social Media zu einem wichtigen Baustein aus Employer Branding, Recruiting, Mitarbeiterkommunikation und Mitarbeiterbindung. Gerade in Zeiten, in denen Unternehmen um qualifizierte Fachkräfte konkurrieren, sollte dieser Baustein nicht unterschätzt werden.
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